Login

Tafeln in Deutschland gelten als Kompassnadel für gesellschaftliche Verhältnisse

vom: 17.06.2014

Immer mehr Menschen können sich nicht ausreichend ernähren - service94 über eine traurige Entwicklung in unserem Sozialstaat

Als vor rund 20 Jahren die erste deutsche Tafel in Berlin gegründet wurde, ging es der Initiativgruppe darum, das Leid von Obdachlosen zu lindern. Die aus den USA stammende Idee, eine Brücke aus Überfluss und Mangel zu schaffen, fand in den darauf folgenden Jahren immer mehr Nachahmer – weil der Bedarf beständig wuchs. Bis heute hält dieser Trend an.

Trotz guter Konjunkturdaten sind immer mehr Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen. Längst sind es nicht mehr nur Obdachlose, die von dem Angebot Gebrauch machen; inzwischen werden in den knapp 1000 Tafeln – mit knapp 3.000 Tafel-Läden und Ausgabestellen in Deutschland – Rentner, Sozialhilfeempfänger, Migranten, Asylbewerber, Kinder und neuerdings auch viele Studierende mit Lebensmitteln versorgt.

Die „Praktizierte Wohltätigkeit“, wie der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. sein Leitbild nennt, wird ausschließlich durch Ehrenamtliche verwirklicht. Der Verband weist ausdrücklich darauf hin, dass Tafelarbeit nicht im öffentlichen Auftrag praktiziert wird. Die negativen Folgen der Armut würden zwar gelindert, letztlich sei jedoch die Verhinderung der Armut vorrangig eine staatliche Aufgabe.

Besorgnis erregt insbesondere die stetig wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die ohne Frühstück, ohne warme Mittagsmahlzeit, ohne gesunde Lebensmittel aufwachsen müssten, gäbe es die Tafeln nicht.
Aktuell leben rund 2 Millionen Kinder hierzulande unterhalb der Armutsgrenze.
Im Einsatz der Tafeln sind zurzeit rund 50.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. (Die Tradition der Tafeln hat übrigens christliche Wurzeln; die so genannte „Armenspeisung“ ist eines der sieben Werke der Barmherzigkeit.)

Verschiedenste gemeinnützige Organisationen sind Träger der Projekte. Obwohl die Tafeln ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern und Lebensmittelspenden auskommen, fallen Kosten, z.B. für Lagerung und Transport an. Auch der Malteser Hilfsdienst stellt für die Tafelarbeit Kühlfahrzeuge und Kühlräume zur Verfügung, damit die Armut und der Hunger der ärmsten Menschen in Deutschland gelindert werden können.